… als der Lichtbildner noch ein kleiner Mensch ist, steht er in seiner Heimatstadt vor einem mächtigen Gebäude… voller Ehrfurcht blickt er an der Fassade empor… hohe Säulen, dunkle Portale, das Abbild schöner junger Frauen, wie Sirenen, aus Stein über dem Eingang… dies sei das Theater, so seine Begleitung… dort erzählten sie Geschichten… über die Liebe und den Tod… über das, was uns im Innersten berührt und bewegt… durch Sprache, Gesang, Tanz, Musik… es dauert noch, bis dass er zum ersten Mal die Treppen hinauf laufen wird und vom Rang die Bühne erblicken wird… er wird selbst einmal dort unten stehen und die Menschen für einen Augenblick zum Lachen bringen… im Foyer: Bilder… Porträts von Schauspielern und Schauspielerinnen… wie gefesselt hängt er an ihren Blicken, kann sie nicht mehr lassen… in den Rahmen so viele Geschichten, so viel erlebt und durchgemacht… und er weiß, dass er das auch irgendwann machen wird… Menschen ablichten… so lange wird es dauern, so anders wird alles sein… als das Kind noch Kind war, dachte es, es werde alles gut werden… es IST gut geworden, denn der Lichtbildner darf Menschen auf und hinter der Bühne fotografieren… diese Momente sind wie der Besuch einer Kathedrale… alles ist still… das innere Sehen nimmt Form an… Licht und Schatten verbinden sich wie Liebe und Tod auf der Bühne… all die Gedanken, alles, was ablenken könnte, muss für immer draußen bleiben… es gilt: nur die Kamera, der Mensch dahinter, das Spiel davor… der Lichtbildner lädt ein… und mit ihm all die Menschen auf der Bühne…